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Laudatio Alexander Neumann Dresden

Meine sehr verehrten Damen und Herren,  

es ist mir ein großes Vergnügen und auch eine Ehre,  als Freund von Thomas Beurich und auch als Malerkollege, vor allem aber als ein Staunender und Überraschter, Sie, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung  Malerei herzlichst willkommen zu heißen; und einige einführende Worte zu Werk und Person von Thomas Beurich sagen zu dürfen.Ich möchte vermeiden, daß wir uns missverstehen oder nicht verstehen, sie also bitten, sollte ihnen eine Formulierung, eine These oder ein Wort  fremd erscheinen, rufen sie, in diesen, meinen Vortrag, ihre Frage hinein und ich werde sogleich darauf eingehen. Denn wer kennt ihn nicht, denn Samstagsjournalismus, den Essay-Samstag der großen Zeitungen, der nahezu ohne Wörterbuch und Lexikon kaum zu überstehen ist, ganz abgesehen vom Zutatenmix aus bildungsvoller Vertrautheit der höheren Weihen des Künstlers, mit Avantgarde, Trend, Business, Kult, Mode, Börse und ein Stückchen New York – Feeling. Ach ja. Hier ist nichts easy und nichts trendy, on Vogue und on air, nichts angesagt nicht einmal crazy, weder flippig noch peppig wir kommen auch mit hip kein Stück voran, selbst wenn wir wollten. Die neue Semantik hat längst den subkulturellen Höhepunkt erreicht, ist Alltagssprache und damit Alltag selbst geworden. Wie können wir Antworten geben auf Worthülsen ohne hohl zu sein… Ich sehe hier eine Malerei, die unter anderem auch von diesem, unser aller gesellschaftlichen Dilemma, berichtet, das Bild geworden ist, verdichtet im Rahmengeviert. Wie unschuldig hängen sie hier die Bilder, wie unberührt und unverführt, in ihrer Prächtigkeit. Und doch sind es die Ergebnisse einer Pirsch, so wie nach dem großen Halali, wenn das Wildbret ausgebreitet wird. Hier die Eber, dort die Hirsche, Hasen, Füchse und der Gleichen.Beurich jedoch ist kein Jäger und kein Fallensteller der Beute suchen muß, ihm laufen sie zu die Bilder, er ist auch kein Heileweltzerstörer allenfalls ein Rosabrillenverdunkler. Er lässt sie euch, die Idylle. Da müssen keine Wunden geschlagen werden, Köpfe rollen. Das Martyrium findet nicht statt. Auch wenn wir sehr elegant auf der Reißzwecke stehen, als Schneiderpuppe, und im Hintergrund sehen wir die Umrisszeichnung einer Leiche und es ist schon wieder dasselbe wie heute, und wie gestern, wie morgen – wie die stetige Wiederkehr des Ewiggleichen, in der wir gedanklich morden gehen und selbstkasteiende Reue zeigen. Und der Mund steht aufrecht im Raum wie ein rotes Gummiboot elegant, natürlich! Wir haben die Ordentlichkeit wiedergefunden. Die Auslegware makellos. Ein wenig Konfusion in der Gardine noch, wollt ihr einen Trink… Bleibt doch… Es ist vorbei, es ist vorbei. Anfälle einer mondänen Paranoia sind Normalität.

Thomas Beurich ist ganz und gar ein Poet, kein Erzähler von Bildgeschichten auch kein Dramatiker mit unheilvollen Bedrohlichkeiten- er ist ein Dichter. Ein Bilderdichter. Er fügt die Elemente seiner Bilder, Metaphern, Symbole und Zitate zuweilen auch Allegorien nach einem poetischen Empfinden zusammen. Dieses Formempfinden ist auf Bögen gegründet, auf Rundungen bedacht. „Der Stil ist die Physiognomie des Geistes“ sagt Schopenhauer in seinem Aufsatz  über Schriftstellerei und Stil. Ich habe selten Künstler erlebt deren Homogenität zwischen Sein, Bildsprache und Gemüt in solch ausgewogenem Maße vorhanden ist, auch wenn wir die Stilwandel von Thomas Beurich betrachten, über die noch zu sprechen sein wird. Würde man Vergleiche suchen, daß ist immer der Moment in der Laudatio, wo die Onkel und Tanten zu Besuch kommen die Omas und Opas, wo jede Menge Leute auf dem Sofa sitzen, wie schweigender Besuch, den man dulden muß, also Vergleiche in der Kunstgeschichte, dann käme mir Magritte in den Sinn, aber auch Klee, oder Balthus am ehesten aber denke ich an Günther Richter den großen Leipziger Maler. Nicht aber an Neo Rauch, der auf dem Sofa keinen Platz fände, dessen Bildwelten verwandt scheinen, nicht aber sein Zynismus. Als zentrale Figur würde ich auchde Chirico in Betracht ziehen den großen Italiener der klassischen Moderne. Was haben wir früher diskutiert über: gibt es eine politische Kunst oder nicht? Eine Frage die selbstverständlich ungeachtet unserem Nachdenken und spätestens mit Picasso und dem 20. Jahrhundert gegenstandslos war. Ohne das wir über Delacroix oder Goya gesprochen haben. Ohne das wir überhaupt über große Malerei dieser Welt ein Wort verloren haben. Und die Antwort, meine Damen und Herren, wissen wir sie? Geben wir uns Gelegenheit diese Frage, an Hand dieser Ausstellung zu beantworten.

Die frühen Jahre / Das Atelier

Thomas Beurich ist ein Künstler, der die Möglichkeit einer akademischen Ausbildung ausschlug und sich von jeher auf einen unbeirrbaren Weg der Stilfindung begab und sein künstlerisches Handwerk, sein Credo mit sich führte wie einen Gesellen der gleichsam heranwuchs wie er selbst. Dieser Reifeprozess ging über einige malerische Stationen ehe er, als ein solches Werk wie wir es heute sehen dürfen, gewachsen war. Wir kennen uns seit 21 Jahren und haben an einigen Malerpleinairs teilgenommen, das war eine wunderbare Erfindung zu Ost-Zeiten, man wurde für 3 Wochen in Ferienhäusern in bester vogtländischer Lage untergebracht, hervorragend verpflegt, bekam die Malutensilien gestellt und konnte malen wie Monet in den Wiesen und Gärten eigner Wahl. Mit bisschen Glück und Nachhelfen konnte man die frischen Bilder auch gleich verkaufen. Ohne ins nostalgische abzugleiten, hängen doch gerade an diesen Erlebnissen sehr schöne Erinnerungen und lustige Anecktoden: Malgrund!

Wir waren in Plauen eine Reihe von Malern, Zeichnern auch eine Modegestalterin war dabei, die sich damals vornehmlich in meinem Atelier in der Heinrichstraße 20 zum zeichnen trafen,  einem herrlichen Mansardenatelier, heute würde man es einen idealistisch genutzten Wäscheboden nennen, das unkomfortable der Räume bleibt in verklärter Sicht, meist das Schöne. Damals entstanden auch Bilder, bei Thomas Beurich eine ganze Reihe Selbstbildnisse meist mit verschränktem Arm über der Brust, die in erdfarben braun rot grün auch einen Teil der Tristesse widerspiegelten in der wir uns befanden – DDR Tristesse. Das war 1983. Nach dieser Zeit wechselte T.B. vom Seltenmaler zum Vielmaler. Seine Anstellung im Kaufhaus als Dekorateur musste enden, ein neuer Job musste her. Er konnte mit seinem Talent brillieren und bekam nach kurzer Zeit eine Anstellung im Theater als Maler, ein Beruf für den man sich in der DDR eigentlich qualifizieren musste. Nun waren alle Bedingungen günstig, auch das Atelier in der Heinrichstraße wurde bald seins, als ich 1984 nach Dresden zurück ging. Auffallend war schon damals, Beurich war und blieb bis zum heutigen Tag in seiner Kunst, seinem Kunstbetrieb, immer ein Einzelgänger. In seiner Wohnung sammelten sich damals die Freunde und Kumpels, keine Party ohne Fanta, wie sein Spitzname lautet, und keine Party ohne Musik von Frank Zappa. Im Atelier jedoch, meist karge Räume, endete jedwedes hedonistisches Treiben – hier wurde stets ernsthaft gearbeitet, das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben. Selbst die Ungemütlichkeit seiner Arbeitsräume hat sich Thomas Beurich stets bewahrt. Da sitzt man nicht lang im Atelier herum, Besuch kommt selten. Ein Spartaner mit dem Pinsel.

Das Werk

Das Werk von Thomas Beurich kann man in drei gänzlich voneinander verschiedene Gruppen einteilen. Die erste Gruppe sind die bereits schon besprochenen erdfarbenen Bilder in den Jahren zwischen 1983 – ca 1991. Die zweite Werkgruppe begann ca in den Jahren 1991/92 (T.B. hat inzwischen eine eigene Werbeagentur eröffnet, die den Broterwerb sichert) In dieser zweiten Gruppe entstehen große dekorative Bilder mit teils starkfarbiger, monogromer Binnenfarbigkeit, dominierender Zeichnung und Zeichenhaftigkeit. Diese Bilder näherten sich dem Publikum in genau jener Weise an, wie sie sich von einer politisch moralischen und damit geistigen Auseinandersetzung entfernten. War da manches an Wiederholungen eingeschlichen, heimlich, unmerklich?  Zumindest wären diese Bilder schwerer geeignet der Frage nachzugehen, die noch immer im Raum steht Das Können von Thomas Beurich, sein Farb- und Stilempfinden, seine kompositorischen Fähigkeiten, der Bildbau, die Maß und Teilungsverhältnisse, kurz all das handwerkliche sind darin vorzüglich zu sehen. Wie sie das, an den hier, in dieser Ausstellung, präsentierten Bildern der zweiten Schaffensepoche nachvollziehen können. Diese Bilder brachten erst spät Reputation ein, – als die Erfolge kamen, Ankäufe so unter anderem auch ein spektakulärer Ankauf der renommierten Sammlung Würth in Künzelsau, die 5 Gemälde und eine Skulptur für die Kunsthalle Schwäbisch Hall erwarb, war der Poet Thomas Beurich schon weiter geschwebt, sah plötzlich seine Welt größer geworden. Der Blick wurde genauer und die malerische Lust, der Bildertrieb wollte sich am Größeren versuchen. Was treibt einen Künstler um, inmitten einer erfolgreichen Phase, den Stil zu ändern, was ist geschehen? Gestatten sie mir an dieser Stelle einmal einen kleinen Ausflug, in die Ökonomie. Was würden sie sagen, wenn ein Waldbesitzer einen ganzen Wald abholzen würde, um danach auch nur einen einzigen Baum zu verkaufen – ein Idiot zweifelsfrei! Oder ein Warenproduzent stellt zehn Jahre lang einen Artikel her den keiner kauft, bis er fast pleite ist- auch ein Idiot, natürlich. Also sind wir Künstler (betriebswirtschaftlich gesehen) Idioten! Noch schlimmer wäre ja, um im Bild des Warenproduzenten zu bleiben, wenn dieser nach den zehn Jahren endlich Absatz findet, seinen Markt gefunden hat, nun wiederum einen neuen Artikel herstellt den keiner braucht usw. Aber genau an dieser Stelle scheiden sich ja die Geister, deswegen ist er ja Künstler, lassen sie mich dieses Phänomen so erklären: In der Kunst ist der Wille nach Wahrhaftigkeit konkret, die Vorstellung von Gewinn abstrakt und die Planung von Erfolg absurd. Würde man auch nur eine dieser Konstanten ändern, käme diese harmonische Gebilde ins Wanken und als erstes stürbe dann, die Wahrhaftigkeit! Also sprach Thomas Beurich und fasste die Wirklichkeit ins Auge, nahm die Jacke vom Haken um aus der Beschaulichkeit des Erfolges mit offenen Augen auf die Suche zu gehen. Und plötzlich war da Stoff in Hülle und Fülle. Er sah das Malmen und das Schleichende dieser Maschine, die das Leben sein soll. Und was ist das Leben, eine Zwitschermaschine von Klee? Das wäre ja noch gut gewesen, eine poetische Oase in der nichts so ist wie es scheint – aber alles gut. Es ist die Feiermaschine, die Kichermaschine, wer nicht lacht wird umgebracht. Aber wie, wo sind hier die Bilder zu machen?

Hohlheit, Unverbindlichkeit und immer wieder dieses Grinsen in mondänen Kulissen. Schrille Buntheit, der wir-haben-es-geschafft-gesellschaft! Und daneben die Verlierer Seite an Seite die wir-wollten-nie-das-werden-was-wir-sind-gewordenen. Plötzlich bin ich ja schon wieder bei der oben genannten Frage nach einer politischen Kunst, mit einem Paukenschlag begann 2001 die dritte Phase seines Werkes. Ein Paradigmenwechsel aller erster Güte, da war der Entwurf für einen städtischen Brunnen in Plauen, das geflügelte Herz ein poetisches Zeichen der Liebe, nur wo ein Herz schlägt wächst auch Grünes, dies alles steht in Verbindung mit dem Fließen des Wassers, ein unendlicher Kreislauf, wie das Leben, der Fluss als Metapher. Beurich hatte mit diesem Objekt, seine ganze Menschlichkeit, seine Liebe zum Geschöpf, in die Waagschalen geworfen, neudeutsch gesagt: „weit aus dem Fenster gelehnt“, aber da war nichts „gemenschelt“ wie man ebenfalls neudeutsch zu sagen pflegt, das war er selbst. Hölderlin sagte einmal warnend: „hast du Herz und Verstand, so zeige nur eines von Beiden!“ Beurich hört auf solche Sätze nicht. Er ist keiner für die weisen Einflüsterungen, keiner fürs Kalkül. Unmerklich ist er auch zum Bildhauer geworden, ein selbstverständlicher Schritt für Thomas Beurich, wo der Freundeskreis plötzlich verwirrt war… Die Bildhauerei kommt früher oder später in die Malerateliers geschlichen, da kann man sich gar nicht wehren…. Eine zweite Skulptur entsteht im selben Jahr 2001 mit dem Titel: „wo waren wir geblieben…“ Eine 3m hohe Flachreliefskulptur mit Katze, auffallend der Dargestellte (ein Selbstbildnis) hat ein großes Herz, zu seinen Füßen tummelt sich die Katze. Katzen sind ein zentrales Lebensthema, auch für Thomas Beurich.

So könnte man die dritte Werkgruppe durchaus mit dem Begriff:

„Enddeckung der Seele oder besser Enddeckung des Gemüts“ überschreiben.

 

Ja, meine Damen und Herren jetzt sind wir wieder ins Jetzt zurückgekehrt. Bei der heutigen Ausstellung: für die Thomas Beurich den Satz: „erfolgreiche Methoden und Erfindungen der Menschen sich vor dem Leben zu schützen“ Formulierte und der wie ein Leitmotiv in den Bildern der dritten Phase zu klingen beginnt („Karenzen“). Da steht er nun der kleine große Mann auf seiner Leiter mit dem Blick in die Erinnerung, der melancholische Gesang des Vollmondes weht herüber, auch  zu uns, streift  den Kopf des Mannes und scheint genauso wenig erhaben über die Kraft der Symmetrie, sondern wird ein Mittel derselben. Alles im Lot. Ein Schritt nur, eine Geste hätte die Zerfrorenheit des Augenblickes lösen können. Das du, das ich was braucht es mehr? So wäre doch alles gut gewesen, der Abend gerettet – die Freiheit hätte beginnen können. Doch die Kraft der Erinnerung schafft Zwänge, leere Räume, Karenzen. So können sich sanft die Hände wieder einmischen, wie sie es sooft getan haben, wie elegante Schuhe sperren sie den Bildraum, ja, in der Höhlung der Arme wird der Raum zur Kathedrale groß und unnahbar und vom Nachtlicht bleibt nur Kühle… In diesem Bild schuf Beurich jenen Raum den wir betreten müssen, wenn wir etwas Sicheres verlassen haben, wenn wir der paradiesischen Vorstellung für Momente entrissen worden sind und versuchen in dem neuen Gefilde die Reste der gewohnten Harmonie klingen zu lassen… Ist das die Suche… Sie erinnern sich an: „erfolgreiche Methoden und Erfindungen der Menschen sich vor dem Leben zu schützen“ Auf keines der Bilder hier scheint mir der Untertitel der Ausstellung so gut anwendbar wie auf „Porter“ Die große Fahrt hat begonnen, das Leben beginnt jetzt. Wie ein Eiland ragt hinten im Zimmer der Bücherberg heraus nur wenige Meter noch bis zum Ziel, ja aber wo ist das Ziel? Die Windrose an der Stuckdecke weist keinen Weg mehr, wie eingefroren hat sie sich mit der Gründerzeit eingelassen und ist im Stuck aufgegangen, da irgendwo schwebt die Welt herum, die Gummikugel aus dem Film der „Große Diktator“ mit Charlie Chaplin. Porter aber sitzt und raucht. Er scheint zu warten, vielleicht lebt er aber auch so, in seinem Zimmer, in seinem Boot… Aber er wartet, dies ist gewiss.

Die Deutung / Antwort

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich komme nun zum Ende dieser Festrede, wie sie hörten, versuchte ich mich bei der Deutung der Gemälde von Thomas Beurich, an die Poesie zu halten, das heißt die im Bild enthaltenen Elemente und der Klang, lösen eigene Geschichten aus, die sich fortspinnen. Wenn auch Sie dieses Prinzip anzuwenden bereit und gewillt sind, sich einlassen dann werden sie auch mit Geschichten belohnt. Thomas Beurich, hat mir keine Deutungshinweise gegeben, er hat mich alleingelassen mit seinen Bildern, das war gut so, denn gerade darin besteht ja die Schule des Sehens, des Betrachtens… Denn plötzlich nach einer gewissen Zeit begannen sie zu sprechen, nicht zwingend ihre Geschichte, sondern eine – vielleicht auch meine eigene. Es ist gut, denke ich, den eigenen Augen zu trauen, es ist auch gut sich einen eigenen Reim zu machen. Bleibt noch die Frage offen: Diese Bilder, meine sehr verehrten Damen und Herren, sind politische Bilder, weil sie die Qualität haben, denn die alles entscheidende Frage für Kunst ist doch neben allen ästhetischen, formalen und merkantilen Überlegungen ist sie menschlich! Darum zögern sie nicht lang, sichern sie sich eines dieser Bilder und sie werden selbst wenn sie es kaufen immer noch reich beschenkt sein. Ich wünsche dieser Ausstellung alles Beste.

Merkwürdig ist, daß diese Bilder, als ein Ganzes zu betrachten sind und unabhängig von Ihrer Größe oder auch Anzahl einem erzählenden Bilderfries entnommen zu sein scheinen. Die Forterzählung einer Geschichte aus dem Seelenleben / Seelenerleben.

Unnahbar ist die schier teilnahmslose Kühle mit der diese Geschichten erzählt werden. Das Kalkül des Malers ist spürbar. Diese Bilder entstanden nicht aus dem Malprozess heraus, aus dem Verdichten und Anhäufen und Eliminieren von Farbe, aus Infragestellung der Schöpfung, aus Korrektur oder Retusche, nein diese Formen sind sicher und kompromisslos auf die Leinwand getragen, gerade so als gäbe es die Bilder schon bevor es sie gibt. Als seien sie der Vollzug einer Zwangshandlung oder positiver ausgedrückt, hier führt ein episches Erleben die Hand des Malers.

Seltsam empfinde ich die Stimmung der Figuren in den Bildern von Thomas Beurich. Sie scheinen sich in Versunkenheit, tiefer Nachdenklichkeit oder Melancholie zu befinden. Meist ist der Blick in die Ferne oder Leere gerichtet. Dennoch aber geht von den Bildern keine depressive Stimmung aus, hier ist die Spannung zwischen dem polychromen, ja fast regenbogenfarbenen Paletten und der sehr dichten Zeichnung gehalten.Würde ich die Farbigkeit der Bilder mit Musikinstrumenten eines Orchesters vergleichen, käme ich dabei eher auf Blasinstrumente, insbesondere Posaunen und Trompeten als Flöten oder Geigen. Die Zuordnung in einen uns allen bekannten Stil oder der Vergleich mit Malern aus der Geschichte der Kunst fällt schwer. In der Stimmung und diesem melancholischen Grundgestus würde mir zuerst Rene Magritte einfallen, in der Farbigkeit sind duftige Momente enthalten, Eleganz die an die großen Tryptichen von Max Beckmann erinnern. Andererseits machen sie sich auch verwandt mit den großen Amerikanern aus der Frühzeit der Popart, vielleicht Hopper, Warhol. Es ist in diesem Formenklima auch eine Affinität zu modernen Industriebauten zu sehen. Rohre, metallische Glanzlichter oder wie im Bild „Hasenjagd“ pflanzliche Gebilde die eher dem Reißbrett des Architekten entstammen als der Naturform. Diese Bilder haben etwas zeitloses dennoch aber heutiges. Die Farbigkeit ist der >Sehgewohnheit des 21. Jahrhundert adäquat. Thomas Beurich gibt uns mit diesen, seinen neuen Bildern genussvolle Rätsel auf, da wie ich annehme, nur wenige unter Ihnen das frühere Werk kennen, darf ich Ihnen mitteilen, daß hier ein Künstler vor Ihnen steht, der einen Quantensprung vollzogen hat, aus der Suche heraus in die Mitteilung hinein, so als hätte jahrzehntelang der Stoff gegoren um sich nun als guter Wein zu präsentieren. Diese Bilder werden uns –  und natürlich auch Ihn – noch lange, lange beschäftigen.

In dem Gemälde Kult, spielt Beurich erneut mit der Symmetrie, diesmal erinnert es an das Grundraster einer Spielkarte, vielleicht Herzdame, die an den Basketballkorb gehangen worden ist… aber warum? Fängt sie nun die Bälle um Ihre Leere zu füllen? Oder hat jemand sie befestigt um sie gerechtfertigt beschießen zu dürfen, brauchen wir nicht selbst oft genug  Vorwände? Wie oft werden die Feinde mit Tiermasken ausgestattet um die Hatz eröffnen zu dürfen. Oder wie jüngst geschehen: fallen Granaten auf politische Feinde, weil man sich vor der selbstzelebrierten >Demokratie< scheut. Wo sind wir hingekommen ? Kult ist Modewort der sogenannten Mainstreamgesellschaft, der subventionierten Kicherer, die den Pluralismus in einen Lachfaschismus umwandelt und die Gesellschaft zu Geifertrotteln generiert.Der Basketballkorb ist ein tragisches Gebilde, weil er seinen Fang nicht festhalten kann. Da ist dieses Loch im Netz und alles beginnt immer wieder von vorn…

Hort

Gestatten Sie mir, mit dem nächsten Bild fortzufahren: Ich habe mir das Bild „Hort“ gewählt.Es fällt zunächst aus der hier gezeigten Kollektion heraus, weil es mit dem „sfummato“ (verwischen) arbeitet, mit dem chargieren von Farbschichten, einem eher impressionistischen Effekt der Malerei. Der Hort ist ein detailarmes Bild, hier werden die Symbole knapp gehalten. Wir sehen rechts ein Fenster, es füllt sich nicht mit imaginärem Raum, sondern mit imaginärem Licht, durch dieses Fenster kann nur der Glaube gehen- nicht aber der Mensch! Die Person im rechten Bildteil, ist in einen Sack eingenäht, vielleicht auch eine Zwangsjacke, kann sich jedenfalls wohl kaum selbst befreien. So entsteht zwischen der linken Bildhälfte und der rechten eine Spannung die an Kreuzigung und Auferstehung erinnert. So bleibt uns die Bildmitte, das Feuer… nicht als Höllenfeuer zu deuten, sondern als Reinigungsfeuer. Rätselhaft an dieser Komposition ist, daß auch die für uns gewohnte Bildentwicklung von links nach rechts gegen den Strich gebürstet wird und mit von rechts nach links sozusagen entgegen wirkt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

 

Alexander Neumann